Ein Rundgang über den Datzeberg
  • von Tom Liebelt

  • Schaut man von weiter weg auf die drittgrößte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, Neubrandenburg, fällt einem sofort die Skyline aus Hochhäusern und Wohnblöcken auf, die über der Stadt thront. Das ist der Stadtteil Datzeberg.

    Entgegen des ersten Eindrucks befindet er sich am Stadtrand und ist alles andere als ein großstädtisches anonymes Massenviertel. Vom gefühlten Miteinander ist es hier für viele Einwohner wie auf einem Dorf: es wird sich getroffen, geklönt, getratscht. Etwa 4.000 Menschen leben in diesem Wohngebiet. Es waren einmal mehr als 10.000, bevor die Wende kam und für ganz Neubrandenburg Abwanderung und Geburtenknick brachte.

    Viel wurde in den letzten Jahren abgerissen, viel auf drei Stockwerke zurückgebaut und farbig neu gestaltet. Das Viertel ist dadurch lichter geworden, auch grüner und ruhiger. Es gibt endlich genug Parkplätze für alle. Das ist natürlich super.

    Der Datzeberg ist kein Reichenviertel. Hier wohnen hauptsächlich Leute mit kleinen bis mittleren Einkommen. Es gibt relativ viele Kinder, wenig Jugendliche, nicht mehr Alte als woanders, sehr wenig Ausländer, viele Hunde. Das Durchschnittsalter beträgt ca. 40 Jahre.

    Die Innenstadt mit dem Anziehungspunkt Marktplatzcenter erreicht man in 15 Minuten alle 30 Minuten mit dem Bus – zumindest zur Hauptgeschäftszeit. Dem DatzeCenter hingegen sieht man an, dass es eher für die 10.000 Leute von früher gebaut wurde, als für die 4.000 von heute. Aber es beherbergt immer noch so wichtige Stellen wie EDEKA, Post, Sparkassenfiliale, Deutsche-Bank-Automat und Blumenladen, Apotheke. Und außerdem Ärzte, Physiotherapie und ein Fitnessstudio. Die DatzebergerInnen mögen es sehr, dass man die wichtigen Einrichtungen im Stadtteil hat und zu Fuß in höchstens 10 Minuten erreichen kann. Länger braucht man nämlich nicht von einem Ende des Wohngebiets zum anderen.

    Der Datzeberg ist sehr überschaubar und so gebaut, dass man sich ständig über den Weg läuft – auf dem Weg zu einer der beiden Kitas, zur Grundschule, zum Arzt, zum Garten, zur Garage, zu den Bushaltestellen, zum Datze-Center, zum NETTO, zur Wohnung.

    Und natürlich sind da auch die nicht so tollen Seiten des Viertels: die Hundescheiße, bestimmte Nachbarn, wilde Sperrmüllplätze, schiefe Gehwegplatten, das Getratsche, Kinder, die aus Langeweile sonst was für Blödsinn anstellen, teilweise Spielplätze mit fehlenden oder alten Geräten.
    Aber brauchen die Datzeberger Kids denn überhaupt Spielpätze, wo sie doch gleich hinterm Block so viel Natur und Wald vorfinden – perfekt zum Höhlenbauen, rumkrakseln, verstecken spielen oder heimliches Crossfahren? Jedenfalls machen sie das Beste aus den Gegebenheiten.
    Bleiben für die Anwohner nicht die meisten Unannehmlichkeiten vor der Wohnungstür und werden nicht viele von ihnen mit einer tollen Aussicht über die Stadt nach Süden oder über das Tollensetal nach Norden und Westen entschädigt?
    Antworten auf diese Fragen können natürlich nur die Datzeberger selbst geben und das tun sie auch, wenn man sie fragt.


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